Hinweise für Studierende

Die Zusammenarbeit an der heutigen "Massenuniversität" erfordert ein paar wenige Regeln, um halbwegs effektiv - und das heißt vor allem effektiv für Sie als Lernende - zu funktionieren.

Damit Sie als Studentin oder Student wissen, was Sie von mir erwarten können und was auch ich von Ihnen in meinen Lehrveranstaltungen erwarte, finden Sie hier Hinweise zu Sprechstunde, zur Seminargestaltung, zu meinen Kriterien der Leistungsbewertung sowie zum Gestalten von Referaten und Hausarbeiten. Wenn dabei nicht alle Ihre Fragen geklärt werden, kommen Sie bitte in meine Sprechstunde oder schreiben Sie mir eine verschlüsselte Mail!

 
Sprechstunde

Bitte beachten Sie folgende Hinweise zur Sprechstunde:

Zehn Leitsätze zur Seminargestaltung

1. Alle SeminarteilnehmerInnen strukturieren ihr Seminar gemeinsam; der Seminar"dozent" versteht sich als "Helfer" des Seminars. Hilfe setzt jedoch Eigeninitiative der SeminarteilnehmerInnen voraus. Ohne Eigeninitiative kein Seminar, ohne Interesse (lat. „zwischen etwas sein", „an etw. teilnehmen"), kein individuelles und kollektives Lernen, keine Weiterentwicklung. Das setzt ein gegenseitiges Agreement voraus, vor allem pünktliche Anwesenheit, aktive Mitarbeit, sorgfältige Vorbereitung. - Das heißt umgekehrt: Wenn mehr als die Hälfte der SeminarteilnehmerInnen nicht auf das Seminar vorbereitet ist (z.B. keine Literatur bearbeitet hat), findet kein Seminar statt.

2. Seminarlänge, Seminarpausen und Seminarinhalte können jederzeit von den SeminarteilnehmerInnen verändert und bestimmt werden. Wenn Sie etwas stört oder ändern möchten, melden Sie sich bitte jederzeit bei mir - entweder offen oder mit geschlossenem Visier (anonymisierendes Kontaktformular).

3. Ziel meiner Lehrveranstaltungen ist, dass Sie lernen:

  • Fragen zu generieren: Interesse am Gegenstand entwickeln, Detailfragen entdecken, Problem(e) differenzieren;
  • Fragestellungen beantworten: (mit meiner Unterstützung) Lösungswege finden und testen;
  • Hypothesen aufstellen und plausibilisieren;
  • Methoden und Techniken weiterentwickeln, um wiederum
  • Fragen generieren zu können.
    Bsp: Was ist Diskursanalyse? Was „Diskurs" (Theorie)? Was „analyse" (Methoden)? - Literatur recherchieren, befragen, Diskurstheorien kennenlernen, Fragen hierzu generieren, Probleme identifizieren, verschiedene Ansätze diskutieren, Möglichkeiten der methodischen Umsetzung eruieren usw.

4. "Nicht-Verstehen" ist ein Zeichen für problematisierendes Denken, d.h. alles läuft korrekt: Wer 'nicht versteht', lernt gerade. Nicht-Verstehen kann gelöst bzw. Verstehen weiterentwickelt werden, indem das Nicht-Verstandene artikuliert und in die Diskussion gebracht wird ("Moment! Das verstehe ich so nicht, weil..." oder "Erklärt mir mal bitte, dass ... sein soll"). Das heißt:

5. Es gibt keine dummen, richtigen oder falschen Aussagen im Seminar. Der Seminardozent hat lediglich einen Zeit- und Wissensvorsprung, sein Wissen ist also auch beschränkt. Ob Lehrende, ob Lernende: Wer denkt, er wisse alles, hat nichts verstanden.

6. Es gibt keine Anwesenheitsliste. Sei kommen, wenn Sie an der Diskussion mitwirken wollen. Dafür erwarte ich eine sorgfältige Bearbeitung der Seminarliteratur und Dokumentation dieser Arbeit in einem abzugebenden Lektüreprotokoll (Informationen dazu in der ersten Sitzung der Lehrveranstaltung).

7. "Leistung" bemisst sich an der individuellen Befassung mit dem Seminargegenstand (Weiterentwicklung der kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten), dessen theoretische und empirische Durchdringung („Welche Theorien gibt es? / Welche Analysemethoden beherrsche ich?") und der persönlichen begründeten Positionierung („Diese Theorie/Methode finde ich (nicht) überzeugend, weil..").

8. Formalia dienen den SeminarteilnehmerInnen, die SeminarteilnehmerInnen dienen nicht den Formalia:

  • Hausarbeiten (s.u.): Formalia sollten konsistent und adressatenspezifisch sein;
  • Termine: Formalia dienen der Orientierung (Wann, was, wo, für wen, warum?);
  • Formalia gelten als Richtschnur, begründete Ausnahmen nach Rücksprache möglich;
  • nicht berücksichtigte Erwartungen, die im Vorfeld angekündigt wurden, führen meist zu Mehr- und Nacharbeit für alle Beteiligten;
  • zur Lektüre empfohlen: Narr, Wolf-Dieter; Stary, Joachim (Hg.) (2006): Lust und Last des wissenschaftlichen Schreibens. Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer geben Studierenden Tips. 3. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1437).

9. Für individuelle Fragen steht der Seminardozent jederzeit gerne unterstützend zur Seite. Aber bitte nicht enttäuscht sein, wenn Emails bei Nacht nicht sofort beantwortet werden.

10. Ein Vogel fühlt sich nicht "geehrt", auch mit Titeln ("Prof. Dr. von und zu") hat er seine Schwierigkeiten; aber er freut sich über eine höfliche, nette Anrede ("Lieber..." anstelle von "Hallo!" oder "Hey!").

 

Hinweise für Leistungsnachweise

  • Note der Hausarbeit / Mündliche Prüfung zählt zunächst 100% der Endnote
  • Individuelle Verbesserungsmöglichkeiten auf freiwilliger Basis (und nach Rücksprache mit mir) durch:
    • jeden vernünftigen Essay
    • Weiterführendes Protokoll für alle KommilitonInnen (zusammengefasst auf max. 2 S.);
    • jedes informative Kurzreferat (max. 10-15 Minuten);
  • Benotungsskala für alle Leistungsnachweise:
    • 1: sachlich vollständig; eigene Meinung gut begründet; formal konsistent; Interpretation plausibel argumentiert
    • 2: sachlich vollständig, eigene Meinung erkennbar; formal konsistent; Interpretation plausibel argumentiert
    • 3: Wiedergabe der Inhalte; sachliche Lücken oder fehlerhaft, formal konsistent
    • 4: Kern ansatzweise vorhanden, große Lücken; formale Strukturen desorientieren
    • 5: nicht wirklich damit beschäftigt, keine Zeit gehabt, guttenbergisches Syndrom o.ä.
  • Zu jeder Hausarbeit wird ein Kurzgutachten erstellt und eine Note vorgeschlagen. Der/Die AutorIn hat anschließend eine Woche Zeit, auf dieses Kurzgutachten zu reagieren und ggf. eine Alternativnote mit (guten!) Argumenten vorzuschlagen. Überzeugen die Argumente, wird die Alternativnote übernommen, ansonsten bleibt es bei der Ausgangsnote.

 

Hinweise für Referate

Generell gilt:

  • Referate dienen nicht dem wiedergebenden Vortrag (und zur Schaustellung) von 'besserem' Wissen, sondern der Problematisierung eines Gegenstandes. Problematisierung bedeutet, dass der "referierte" Gegenstand von unterschiedlichen Seiten (Theorie, Empirie) beleuchtet wird und ein problematisierendes Resümee gezogen wird.
  • Der/Die Referierende gilt als "Spezialist" für sein Thema: er/sie kann komprimiert die verschiedenen Pro und Contras, problematischen Züge usw. mitteilen und auf Grund seiner intensive(re)n Beschäftigung individuelle Positionen zur Diskussion stellen.
  • Hat der/die Referierende etwas nicht verstanden, sollte dies im Vorfeld mit dem Seminardozenten angesprochen (und idealiter gelöst), oder es muss während des "Referats" problematisiert werden ("Dies und jenes ist unklar geblieben, weil.."). Nicht-Verstehen ist keine Schande, vgl. o.

Im Besonderen:

  • Bei Referaten gilt: Mindestens eine Woche vor Referatstermin Rücksprache mit mir in der Sprechstunde, andernfalls kann das Referat nicht gehalten werden.
  • Für die Präsentation von Referatsinhalten gilt: Wählen (und testen) Sie unterschiedliche Darstellungsmöglichkeiten (Powerpoint, Overhead, Handout usw.). Achten Sie dabei darauf, dass die Form dem Zweck dient: Komprimierte und verständliche Vermittlung der erarbeiteten Inhalte und deren Problematisierung in einer (anzuregenden) Diskussion. Nutzen Sie außerdem Beispiele zur Illustrierung und leiten Sie (mit Rücksprache) zu Gruppenarbeit zur Erarbeitung der Inhalte im Seminar an.

 

Hinweise für Hausarbeiten

  • Bitte beachten Sie den Leitfaden zum Verfassen von Seminararbeiten (Dank an Eva Schauerte), wenn Sie sich Mehr- und Nacharbeit ersparen möchten!
  • Schauen Sie mal rein: Narr, Wolf-Dieter; Stary, Joachim (Hg.) (2006): Lust und Last des wissenschaftlichen Schreibens. Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer geben Studierenden Tips. 3. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1437).
  • Umfang in der Regel: 12-15 Seiten (Proseminar) bzw. 15-18 Seiten (Hauptseminar), formal konsistent.
  • Ziel der Arbeit: Vorstellung eigener theoretischer / empirischer Überlegungen auf der Basis der bearbeiteten Literatur / Quelldaten.
  • Leitfrage: Was interessiert(e) mich unter diesem und jenem Aspekt?
  • Abgabe aller Hausarbeiten als PDF bis zum vereinbarten Termin via verschlüsselter E-Mail oder auf USB-Stick im Sekretariat vorbeibringen; Verschiebung des Abgabetermins nur vor dem zuletzt vereinbarten Abgabetermin möglich!

 

Hinweise für Essays

  • Für Struktur und Formalia von wissenschaftlichen Essays gelten die gleichen Regeln wie für wissenschaftliche Hausarbeiten (s.o.).
  • Der Umfang eines Essay umfasst - sofern nicht anders angekündigt - zwischen 3-5 Seiten und berücksichtigt 2-3 wissenschaftliche Sekundärtexte.
  • Sie suchen ein Beispiel für einen guten wissenschaftlichen Essay (Formalia usw.), dann sehen Sie sich bitte den Essay von Lisa Mohr an (pdf).